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Glaub nicht was Du denkst!

Warum es sich lohnt regelmäßig einen Realitätscheck zu machen.

Vor einigen Tagen ist auf einem meiner Workshops etwas ganz spannendes passiert, an dem ich Euch gerne teilhaben lassen möchte.


Beim Workshop „Wieisserdennso?“ geht es um Persönlichkeitseinschätzung. Es gibt ein paar Aufgaben und kleine Tests und wir beobachten, wie die Hunde sich in den verschiedenen Situationen verhalten. Am Ende besprechen wir dann, was das gezeigte Verhalten für Hinweise auf die verschiedenen Hundepersönlichkeiten gibt und was eventuell wichtig sein könnte zu beachten, wenn es um Training und die Beziehung zwischen Hund und Halter geht.

Das Besondere an diesem Workshop ist, dass die Hunde jeweils von einem der anderen Teilnehmer beobachtet und eingeschätzt werden, also von einer Person, die weder den Hund noch den Besitzer irgendwann schon einmal gesehen hat.
Und dabei ist nun am letzten Wochenende, aber auch schon bei einigen der vorigen Workshops folgendes passiert:
Es gibt am Ende eine Abschlussrunde, bei der wir über jeden der Hunde ausführlich sprechen. Der oder die Beobachterin darf hierbei zuerst erzählen, was sie gesehen hat und wie sie den Hund und auch die Beziehung zwischen Hund und Mensch einschätzt.
Die Beobachterin beginnt zu erzählen und das Bild, was sie vom Hund und von der Beziehung malt, ist ein völlig anderes als das Bild des Besitzers. Beim letzten Mal war der Hund laut der Beschreibung der Beobachterin auffällig entspannt in allen Situationen und ganz besonders orientiert an der Besitzerin. In diesem Falle kannte ich Hund und Mensch und wusste, dass einige anstrengende Jahre hinter den beiden lagen, in denen man hätte sagen können, dass diese Hündin das Wort Entspannung ganz sicher für ein Fremdwort hielt und dass ihre Besitzerin für sie auch in den allermeisten Situationen nur lästig hinten an der Leine hing.
Ich blickte also in die ungläubigen Augen der Halterin, die gerade eine Beschreibung über ihren Hund und sich hörte, die sie sicher so nicht erwartet hatte und sah, wie sich auf ihrem Gesicht immer mehr ein Lächeln ausbreitete und ich war so gerührt davon, wie bewegend es ist, wenn man das erste Mal mit einer neuen Realität konfrontiert wird.
Denn das ist es – es ist die Realität!
Vielleicht ist es erstmal nur ein kleiner neuer Teil und auch durch andere Augen gesehen, aber es ist eine wunderbare Möglichkeit für die Besitzerin dieser Hündin, diese Realität mitzunehmen und zu ihrer eigenen neuen Realität zu machen.
Leider speichert unser Unterbewusstsein unangenehme Gefühle und Gedanken sehr viel besser ab als schöne Erlebnisse und schöne Gedanken und wenn wir mit einem Hund zusammen leben, der uns häufig an unsere Grenzen bringt, dann kann dieser Batzen an unangenehmen Gedanken und Erwartungen ganz schön groß werden. Wir blicken den Hund an und denken daran, wie er gestern wieder die ganze Straße zusammengeschrien hat, als er die Nachbarskatze erspäht hat. Wir nehmen die Leine in die Hand und unser Körper erinnert sich automatisch daran, wie schmerzhaft es war, als sie uns beim letzten Mal durch die Hand gerutscht ist, oder als wir fast umgerissen wurden, weil unser Hund den Nachbarshund beschimpfen musste, der plötzlich hinter der Ecke auftauchte.
Diese Gedanken und Gefühle sind wie eine dunkle Wolke, die auf jedem Spaziergang über uns schwebt und wenn es dann wieder passiert, dann keift diese Stimme im Kopf: „ Siehst Du! Wusste ich doch!“
Und auch wenn es in Wirklichkeit schon viel besser ist und sich ganz, ganz viel verändert hat und wir schon 30 Mal an lockerer Leine an Hund und Katze vorbeigelaufen sind, dann zetert die Stimme immer noch herum und erzählt uns, dass wir uns bloß nicht in Sicherheit wiegen sollen.

Also: Macht ab und zu einen Realitätscheck und helft Eurem Gehirn dabei, neue und angenehme Gedanken zu speichern. Eine tolle Übung dazu ist, sich regelmäßig aufzuschreiben, was gut geklappt hat und sich das vor jedem Spaziergang oder bei anderen Gelegenheiten durchzulesen. Unsere Gefühle folgen unseren Gedanken. Also glaubt nicht alles was Ihr denkt und überprüft mal ab und zu, ob es nicht Zeit ist fröhlich in eine neue und schönere Realität zu hüpfen, ich bin sicher Euer Hund wird bereitwillig mitkommen. 🙂

 

 

Kleiner Nachtrag zu „Glaub nicht was Du denkst“

Kleiner Nachtrag zu "Glaub nicht was Du denkst"

Gepostet von Hundebande – Bonn am Mittwoch, 30. Mai 2018

 

 

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